Offener Brief an Präsidium: Unser Audimax

Sehr geehrtes Präsidium,
hiermit reagieren wir auf Ihren Beschluss vom 20.11.2009. Zunächst einmal müssen wir anmerken, dass die Androhung von Räumung und Anzeige nicht unbedingt unsere Dialogbereitschaft fördert. Dennoch haben wir aufgrund Ihres Angebots mit uns und anderen Studierenden in den Dialog zu treten und gemeinsam nach Lösungen zu suchen, den folgenden Forderungskatalog entwickelt. Daher laden wir Sie herzlich am Montag, den 23.11.2009 und am Mittwoch, den 25.11.2009 jeweils um 18 Uhr in unser Plenum ein, um über die Umsetzung unserer Forderungen zu diskutieren.

Hier sind unsere konkreten Forderungen:

  • Setzen Sie sich für die Forderung der Studierenden für die Abschaffung der Studiengebühren ein.
  • Setzen Sie mit uns kreative Lösungen durch, um das Problem Studiengebühren zu umgehen. Zum Beispiel durch die Vergabe von Stipendien an alle beitragszahlenden Studierenden in Höhe von 500€/Semester.
  • Freier Zugang zu unserer Universität, Studienplatzwahl nach Interesse statt nach NC.
  • Durchsetzung des Master-Regelabschlusses für alle Bachelor-Studiengänge (Ausreichendes Studienplatzangebot, Abschaffung der Zugangsquoten für Masterstudiengänge, keine NC-Bestimmungen).
  • Erhalt der Universität Hannover als Volluniversität. Wiedereinführung kürzlich abgeschaffter Studiengänge.
  • Eine Diskussion über und Auseinandersetzung mit den Auswirkungen der Ökonomisierung der Universität Hannover und speziell der Lehre.
  • Abbau der gesamten Kameraüberwachung innerhalb der Lehrgebäude und des gesamten Unigeländes.
  • Die Abschaffung von Anwesenheitslisten an allen Fakultäten ist machbar (siehe Hildesheim). Trauen Sie Ihren Studierenden zu, selber zu entscheiden welche Veranstaltung wichtig für den Studienverlauf ist.
  • Aufgabe der unnötigen Fleiß- und Leistungskontrolle durch das Credit-Point- System und massiver Schreibarbeit. Die Masse an Studien- und Prüfungsleistungen ist nicht sinnvoll und für die Studierenden belastend.
  • Nebenfächer aus Bachelor (z.T. sehr fachfremd) dürfen nicht in die Abschlussnote des Bachelors einfließen. Bestehen ist ausreichende Voraussetzung für den Abschluss des Bachelors.
  • Freie Fächerkombination bei Bachelor-Studiengängen.
  • Möglichkeit des Monobachelors für alle Fächer, kein Nebenfachzwang.
  • Abschaffung der prekären Beschäftigungssituation angehender AkademikerInnen; Einführung von ausschließlich unbefristeten Arbeitsverträgen für Dozierende.
  • Aufstockung des Lehrpersonals zur Vermeidung von überfüllten Veranstaltungen und Vergrößerung des Lehrangebots.
  • Verbesserung der Studienberatung durch festangestellte Fachkräfte.
  • Öffnung für die Hochschulöffentlichkeit aller universitären Gremiensitzungen.
  • Demokratische Mitbestimmung stärken (Viertelparität, kein Hochschulrat).
  • Das Audimax steht in der Zeit der Besetzung unter studentischer Selbstverwaltung.
  • Die Räumungs- und Anzeigedrohung des Präsidiums wird zurückgezogen.

Mit freundlichen Grüßen
Die besetzenden Studierenden
PS: Es gibt übrigens eine Präsidiumsanweisung, sämtlichen Schriftverkehr in geschlechtergerechter Sprache zu formulieren.


15 Antworten auf „Offener Brief an Präsidium: Unser Audimax“


  1. 1 abc 20. November 2009 um 22:42 Uhr

    Anmerkung zum Punkt „Vergabe von Stipendien an alle beitragszahlenden Studierenden in Höhe von 500€/Semester“:

    Es gibt auch Menschen, die als „Langzeitstudierende“ jedes Semester mehr als die 500 Euro zahlen müssen.

  2. 2 cba 21. November 2009 um 3:10 Uhr

    „Abbau der gesamten Kameraüberwachung innerhalb der Lehrgebäude und des gesamten Unigeländes.“

    heisst aber immernoch „bildungsstreik“, odeR?

  3. 3 Simon 21. November 2009 um 12:55 Uhr

    Macht euch doch nicht lächerlich mit dieser Albernheit von geschlechtergetrennter Sprache im Schriftverkehr.

    Ihr solltet in dem Forderungskatalog den Präsidenten Barke auffordern (und dies auch an die anderen Uni-Besetzer in anderen Städten senden), sich in einem offenen Brief an die Bundesregierung zu wenden und Steuersenkungen auf UNSERE (der kommenden Generationen) Kosten in den kommenden Jahrzehnten auf Schärfste zu kritisieren. Geld sollte stattdessen in Bildung investiert werden.

  4. 4 abc 21. November 2009 um 16:19 Uhr

    @Simon

    Du scheinst da einer gewissen Täuschung zu unterliegen.

    Gäbe es tatsächlich Probleme im Bildungsproblem die mit Geld behoben werden könnten, würden die Beträge staatlicherseits auch zur Verfügung gestellt werden. Bei den Banken ging das auch ganz fix.

    Das wirklich Problem ist, dass die Menschen in diesem Bildungssystem zerschlissen werden (und später bei der Arbeit weiter).

    Und so mancheR StudierendeR denkt dann halt, es liege daran, dass der Staat eigentlich eine falsche Bildungspolitik macht, und die „bessere“ in der Bereitstellung von mehr Geld besteht.

    Wozu eigentlich?

    Vielleicht auch mal daran denken, dass auch anderswo Studierende im Streik sind.

    Sollen die in Wien eine bessere österreichische Bildungspolitik fordern, die in Basel eine bessere schweizerische usw.?

    Damit zum Schluss Deutschland besser dasteht als Österreich oder die Schweiz, wie herum auch immer?

  5. 5 def 21. November 2009 um 18:25 Uhr

    Die Umsetzung vieler Forderungen erfordert mehr Geld. In Österreich gammelt das Bildungsbudget aktuell bei 1,3% des BIP (1980 warens noch 5-6%).

    Bildungsausgaben und Staatliche Kreditvergabe an Banken sind leider nicht zu vergleichen.

    Solidarische Grüße aus Wien!

  6. 6 abc 21. November 2009 um 18:52 Uhr

    @def

    Ich will gar nicht bezweifeln, dass zur Umsetzung einiger Forderung Geld in die Hand genommen werden müsste.

    Wenn z.B. Studiengebühren wieder abgeschafft werden sollen, die Hochschulen aber gleichzeitig nicht weniger Geld zur Verfügung haben sollen, wird man dafür möglicherweise Steuergeld einsetzen müssen.

    Das war allerdings auch gar nicht mein Argument.

    Sondern, dass wenn das Bildungssystem Staat und Wirtschaft tatsächlich Probleme bereiten würde, nicht Studierende Hörsäle besetzen müssten, um auf Missstände aufmerksam zu machen.

    Unsere Probleme als Studierende beruhen einfach darauf, dass die Bildung so sachgerecht eingerichtet ist.

  7. 7 Meine Güte 21. November 2009 um 19:55 Uhr

    Simon, es gibt kein „Ihr solltet“ nur ein „Wer da ist, kann seine Meinung kundtun“. ;) Komm doch vorbei und schlag es vor.

  8. 8 G. 22. November 2009 um 14:48 Uhr

    Hahahaha!
    Euer Antisexismus in Schrift und Sprache erleichtert die Kommunikation ungemein…^^

    Wisst ihr warum ihr so wenig Rückhalt der breiten Masse habt? Euer Aktionismus ist kontraproduktiv und eure Forderungen völlig überzogen. Forderungen die Verfassungsänderungen voraussetzen werdet ihr wohl kaum mit nervigen Straßenblockaden, die euch eher Hass als Solidarität bescherrt haben, und 10 ungewaschenen Langzeitstudenten auf Hundematten im Audimax erreichen.
    Die Tatsache und Macht, dass ihr jetzt im Audimax spielen dürft, den Eindruck erweckt es, ist euch ein wenig zu Kopfe gestiegen, denn für wenige präzise formulierte Forderungen die auch von Präsident Barke umgesetzt werden können, hätten mehr Leute Verständnis. Ein Katalog der ins Endlose geht, vermittelt das Gefühl eines Kindes das eine Wunschliste an den Weihnachtsmann schreibt und sich den Weltfrieden wünscht.

    G.

    p.s. würde mich wirklich brennend interessieren ob es geklappt hat über Twitter an vegane Brotaufstriche zu kommen.

  9. 9 Student_F 23. November 2009 um 1:05 Uhr

    @ G.
    Die Form mit der Du deine Kritik und mangelnde Solidarität zum Ausdruck bringst ist echt zum Kotzen! Ein bißchen Polemik und die üblichen klischeebehafteten Beleidigungen – das soll alles sein?

  10. 10 student 23. November 2009 um 22:17 Uhr

    Hallo allerseits,
    auch auf die Gefahr hin dass dies niemand lesen wird, möchte ich mich doch einmal äußern:
    1. Prinzipiell bin ich dafür etwas gegen die Studiengebühren zu unternehmen.
    2. Zu nahezu allen anderen Punkten die in der Foderungsliste der Besetzer stehen muß ich sagen dass ich nur sehr schwer Verständnis für diese aufbringen kann hier habe ich ein paar Beispiele aufeglistet.
    Vorweg möchte ich derweil noch Folgendes sagen:
    Ich kann nur sehr schwer verstehen, wie ein kleiner Teil der Studentenschaft sich das Recht herrausnimmt für alle zu reden. Soweit ich informiert war das Audimax nicht einmal wirklich voll. => weniger als 600 Studenten bezogen auf über 20.000 Studierende ist die Resonanz auf die ihr hier stoßt doch wirklich mehr als dürftig!!!
    a)Freier Zugang zu unserer Universitaet, Studienplatzwahl nach Interesse statt nach NC
    - Ich selber habe kein gutes Abi gehabt. Aber trotzdem denke ich, kann es ja wohl nicht sein, dass jemand der sich durch viel Mühe ein gutes Abitur erarbeitet hat nicht bevorzugt genommen wird. Vllt ist der NC nicht das beste Verfahren aber Zugang für alle??? Das ist jawohl kaum möglich bei gleichzeitiger Erhaltung der Qualität der Lehre. Alles andere ist bei allem gutgemeinten Idealismus in Wirklichkeit doch einfach nur unrealistisch.

    b)Die Abschaffung von Anwesenheitslisten an allen Fakultaeten ist machbar (siehe Hildesheim). Trauen Sie Ihren Studierenden zu, selber zu entscheiden welche Veranstaltung wichtig für den Studienverlauf ist.
    -Könnt ihr das nicht innerhalb eures jeweiligen Studiengangs klären. Davon ist die große Mehrheit der Studierenden garnicht betroffen.
    c)Aufgabe der unnoetigen Fleiß- und Leistungskontrolle durch das Credit-Point-System und massiver Schreibarbeit. Die Masse an Studien- und Pruefungsleistungen ist nicht sinnvoll und fuer die Studierenden belastend.
    -Ich finde es völlig in Ordnung, dass die Studierenden, deren Studium ja nach wie vor zu einem eheblichen Teil von der gesamten deutschen Gesellschaft mit getragen wird, im Gegenzug auch dafür auch aufgefordert werden den Beweis zu erbringen, dass sie ein ernsthaftes und aufrichtiges Intresse an ihrem Studium haben.

  11. 11 S 24. November 2009 um 12:56 Uhr

    Was hat Sexismus, Kameraüberwachung, Antifa Plakate an den Wänden mit der Bildung zu tun. Hätte man sich mal die Mühe gemacht ein paar sinnvolle Forderungen auszuarbeiten, hätten sich sicherlich mehr Studenten mit der Aktion solidarisiert.
    An der Stelle unseres Unipräsidenten kann man sich garnicht mit diesen Forderungen solidarisieren.
    Außerdem wurde bei der Ausarbeitung der Punkt Kameraüberwachung nichtmal angesprochen.

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